Die Nomaden im Spannungsfeld zwischen Tradition und Wandel | Open Hearts for Mongolia

Die Nomaden im Spannungsfeld zwischen Tradition und Wandel

Die Urquelle jeder Kultur ist die klare Denkweise und die Einsicht. Sie beginnt, wenn der Mensch in der Lage ist zu erkennen, wer und weshalb er da ist und welcher Wert dem Augenblick zukommt.

Wer auf diese Frage antworten kann, wird auch imstande sein zu erkennen, wo ein Pfad liegt, der ihm das Überleben bis zum morgigen Tag und bis zum nächsten Frühjahr gewährt. Die Tuwa haben diesen Pfad gefunden und er hat jedes Individuum zur Gemeinschaft geführt.

In der Sippenwelt geht alles vom Wohl der Gemeinschaft aus. Deshalb sind die menschlichen Bindungen fester geknüpft. Kein Nomade bereichert sich oder übervorteilt seinen Nachbarn oder die Gemeinschaft. Nichts ist den Nomaden gleichgültig. Alles ist mit ihnen verbunden, alle Lebewesen sind mit ihnen verwandt, auch die Steine, Gräser und Bäume.

Die Gemeinschaft bot über Jahrhunderte auch Schutz und Rettung. Das Spannungsfeld, dass die neue Zeit mit den Herausforderungen brachte, fordert einen radikalen Wandel. Die unvorhersehbaren Wetterphänomene, die Einbindung der Selbstversorger in den Geldkreislauf oder das Internet mit den (Ver) Lockungen hat die Nomaden innerhalb weniger Jahre mit voller Wucht getroffen. Anderen Völkern blieb dazu mehr Zeit.

Die Nomaden haben neben vielen anderen Schöpfungsgedanken auch Galtai gut zugehört, der ihnen von erweiterten Möglichkeiten einer naturverbundenen Lebensweise erzählte. Wie machen es Andere?  Die Wurzeln zu ihrer jahrhundealten Tradition, Denk- und Handlungsweise sind ungebrochen stark, und dennoch bedarf es der Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Die Nomaden können sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Natur ihnen und ihren Tieren jeder Jahreszeit genügend Futter schenkt. Sie müssen den Tierbestand reduzieren und Vorräte für Mensch und Tier während den Wintermonaten anlegen

Das Verstehen, dass Bäume Regen schenken ist in die Herzen eingedrungen. Der Nomade Tokhtokh, ein vom mongolischen Staat prämierter Viehzüchter und Nomade, der mit seiner Familie in der Jurte lebt und mit den Tieren weiterzieht und bis von kurzem nicht viel von den Bäumen wusste, hat damit begonnen in seinen verschiedenen Lagern Bäume zu pflanzen. Solche Vorreiter ziehen die anderen nach. Baum um Baum können so Wälder entstehen und den Regen zurückbringen.

In weiser Voraussicht wurden von Galtai im Frühjahr kleine Säcke mit Hafersamen verteilt und anhand von Videos das Einbringen der Samen in die Erde demonstriert.

Sehen Sie hier, wie sich diese Samen entwickelt haben:

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